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Befreiung einer Kegelrobbe

Juni 2020: Junge Kegelrobbe auf Helgoland erfolgreich von Plastiknetz befreit

 

Anfang Juni während meines ersten Fotoworkshops auf Helgoland wurden meine Teilnehmer und ich sowie einige weitere Besucher der Insel Zeugen einer erfolgreichen Rettungsaktion.

 

Michael Janßen, seit 2010 Betriebsleiter der Düne für den Helgoland Tourismus-Service, befreite in einer hochprofessionellen Blitzaktion eine ungefähr drei bis vier Jahre alte weibliche Kegelrobbe von einem Fischernetz, das sich bereits recht stramm um ihren Hals gelegt hatte (siehe Fotos). Der vom Land Schleswig-Holstein bestellte Seehundjäger und ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte des Kreises Pinneberg erläutert: „Das ist Robbe Nr. 10 in diesem Jahr, die mit Plastik um den Hals auf Helgoland aufgetaucht ist. Das sollte uns nachhaltig an das Plastik-Problem, in diesem Fall Fischernetze, die aus unerfindlichen Gründen über Bord gegangen sind, erinnern. Es betrifft nicht nur irgendwelche Wale und Delfine in weiter Ferne, sondern auch unsere Tiere in der Nordsee, direkt vor unserer Haustür.“


Der Dünenbeauftragte und ein Ranger der Gemeinde Helgoland hatten die Kegelrobbe seit geraumer Zeit beobachtet. Da die Tiere natürlich mit einem Fluchtreflex reagieren, war es von größter Bedeutung, den richtigen Moment abzupassen. Deshalb wartete man das Niedrigwasser ab und beobachtete die circa 30 Kegelrobben, bei denen das im Netz verstrickte Tier etwas abseits auf dem Sand an der Aade hinter den Wellenbrechern lag. Dann war der Moment gekommen: Wir hatten die Kameras im Anschlag und alles ging blitzschnell. Die gesamte Aktion dauerte nicht einmal fünf Minuten.


Michael Janßen hatte sich unbemerkt, mit größter Vorsicht und in Zeitlupentempo an das mindestens 70 Kilogramm schwere Tier herangeschlichen. Während die anderen Tiere mit Caramba ins Wasser flüchteten, versperrte er der Robbe den Weg zum Wasser. Geschickt legte er das grobe Fangnetz um das Tier. Es konnte sich schließlich nicht mehr bewegen und den Seehundjäger auch nicht mit seinen scharfen Zähnen verletzen. Mit ruhiger Hand und einem Seitenschneider zerschnitt der Ranger das Fischernetz am Hals der jungen Kegelrobbe. Anschließend zog er das Tier ein Stück aus dem Fangnetz, entfernte das Plastiknetz und ließ die Robbe frei (siehe Fotos).


Sie strebte sofort ins Wasser – aber ohne den quälenden Plastikstrang um ihren Hals. Alle Zuschauer waren gerührt ob der erfolgreichen Aktion, klatschten Beifall und freuten sich mit der befreiten Kegelrobbe. Ohne dieses mutige Einschreiten von Michael Janßen hätte das reißfeste Plastiknetz sich innerhalb der folgenden Wochen immer tiefer in die Haut des im Wachstum befindlichen Tieres eingeschnitten – und eine eiternde Wunde verursacht oder sogar letztlich zum Tod geführt. Doch jetzt kann das junge Tier wieder unbeschwert in der Nordsee umherschwimmen und weiterleben.


Ganz Norddeutscher zeigte Michael Janßen zwar keinen überschwänglichen Gemütsausbruch – es ist sein Job, so etwas zu erledigen. Aber man sah ihm die innere Freude und Genugtuung trotzdem an. Er stellt fest: „Diese Aktion zeigt auch mal eine andere Seite, dass wir Seehundjäger nicht nur Tiere erlösen, wenn es denn sein muss, sondern auch helfen, wo es möglich ist. Und es ist nicht ungefährlich, weil die Tiere ja erstmal nicht kapieren, dass man ihnen helfen will und sie sich natürlich wehren.“

 

Zur Info: Die Seehundjäger werden von Tierärzten, Wissenschaftlern und Fachleuten der Tierärztlichen Hochschule Hannover, der Seehundstation Friedrichskoog und der Nationalparkverwaltung regelmäßig geschult.


Wer mehr über Seehunde und Kegelrobben auf Helgoland erfahren möchte, dem sei dieser Link empfohlen: https://www.helgoland.de/freizeit-gestalten/naturerlebnisse/robben/

 

Hier gibt es ausführliche Infos zu den Tieren, Infoflyer zum Download, Infos zu Führungen auf der Düne und zu Kegelrobben-Patenschaften.


Ein Kurzporträt von Michael Janßen findet sich hier: https://www.helgoland.de/so-ist-helgoland/helgoland-und-helgolaender/michael-janssen/


Und zuletzt ein ganz wichtiger Hinweis und eine Bitte von Michael Janßen: Man sollte NIE selbst versuchen, sich einem Tier zu nähern (Mindestabstand 30 Meter), um es von einem Netz zu befreien. Die Tiere sind äußerst wehrhaft und können auch Krankheiten auf den Menschen übertragen.

Sollte man solch ein Tier oder ein anderweitig verletztes sehen, dann bitte den örtlichen Seehundjäger anrufen, in Niedersachsen heißen sie Wattenjagdaufseher, oder die Polizei, oder die Seehundstationen in Friedrichskoog für Schleswig-Holstein oder Norddeich für Niedersachsen.


Kontakt zu Michael Janßen auf Helgoland: 0151 1729 3694

Anm.: Die Aufnahmen wurden aus gebührender Entfernung mit einem Teleobjektiv gemacht. Das Einverständnis von Michael Janßen zur Publizierung des Berichts und der Fotos liegt selbstverständlich vor.